Bildtafeln an unserer Hausfassade

Großer Stadtbrand von 1710: Auch die Gebäude Innere Bautzner-Straße 2 und Sporgasse 1 wurden vernichtet.
Feuerdrache symbolisch für Brandkatastrophe,  Aufbau begann schon bald darauf. Putte umrahmt von immergrünen Lorbeerranken: Symbol für neues Leben. Bauarbeiter auf dem Gerüst zeigen den Wiederaufbau.

Die Geschichte des Hauses ist eng verbunden mit der Tradition eines typischen Handwerks der Region, der Leinewandweberei. Die ersten Schritte der Entstehung des Tuches vom Spinnen und Aufspulen des Fadens bis zum Weben der Leinewand werden gezeigt. Es entstanden Hauswebereien in der ländlichen Umgebung von Löbau. Der Leinewandhandel entwickelt sich. Händler melden sich.

Der Leinewandhandel: Händler prüfen die Ware. Als Mengeneinheit gilt eine Webe. Mit dem Leinewandhandel kam der Wohlstand in die Städte.  Löbau erlebt so im 17. und 18. Jhd. seine wirtschaftliche aber auch kulturelle Blüte. Namen einflussreicher Leinewandhändler wie Lucke und Schlockwerder sind noch heute im Löbauer Stadtbild gegenwärtig. Am Altmarkt befindet sich das Haus Schlockwerder (Altmarkt 16) und mit dem Stadthaus „Goldenes Schiff“ (Altmarkt 17) das ehemalige Handelshaus von Lucke.

Leinewandhändler Samuel Benjamin Mühle mit Frau. Darstellung nach einem erhaltenen Abbild aus dem Stadtmuseum. Mühle war Eigentümer der Häuser Innere Bautzner Straße 2 und Sporgasse 1. Er gründete in Löbau ein Handelshaus und verhalf Löbau mit anderen bedeutenden Leinewandhändlern dieser Zeit ( Lucke, Schlenker, Schlockwerder...) zur Weltgeltung auf wirtschaftlichem Gebiet. Mühle war ein prunk- und kunstliebender Mensch, baute 1780 mit dem ehemaligen Gasthof zum Stern am Neumarkt sein Gartenhaus, besaß wertvolle Sammlungen (Musikinstrumente, Gemälde, Noten, wissenschaftliche Geräte) und führte ein physikalisches Kabinett. Die Noten und das Gespräch über Bücher stehen für den Kunstliebhaber, die Trinkerszene jedoch auch für seine Prunksucht.

Aus den Hauswebereien aller Orte um Löbau kommen die unterschiedlichsten Leinenwaren nach Löbau. Mitte des 18. Jhd. sind bereits moderne Webmaschinen auf dem Markt, die eine Massenproduktion in der Textilfabrikation ermöglichen. Das alles erfordert Transportmittel. Auf dem Landweg werden die Waren mit Planwagen bis nach Leipzig, Düsseldorf, Prag, Nürnberg und anderen Städten und in die Häfen nach Hamburg und Rotterdam gebracht. 

Von Hamburg und Rotterdam, aber auch anderen Hafenstädten werden die Waren aus Löbau bis nach Übersee gehandelt. Wichtige Handelsländer im Leinewandhandel waren vor allem Spanien und England. Löbaus Leinewandhandel in die Welt:
- nach den USA – Charlestown, Baltimore, Philadelphia
- nach England und Spanien,
- über Madrid nach Po-au-Prince
- nach Asien (Indien – Cadir)
- nach Italien: über Leipzig und Nürnberg nach Bozen und Neapel

Der Wiederaufbau der zu Ruinen verkommenen Gebäude Innere Bautzner Straße 2 und Sporgasse 1 erfolgte von 2008-2009. Während das Eckgebäude in seiner Architektur als Neubau gestaltet wurde, ist das ehemalige Gebäude Innere Bautzner Straße 2 als eine Kopie des ursprünglichen Hauses aus dem 18. Jhd. wieder erstanden. Der Gebäudeteil Sporgasse 1 war eines der prächtigsten Handelshäuser Löbaus aus dem 18. Jhd. und das einzige bekannte Gebäude mit marmorierten Architekturelementen in der Fassade. Von diesem Gebäude ist ein originaler Fassadenrest auf der Sporgasse erhalten geblieben und in den Gesamtneubau eingefügt worden. Hier befindet sich das prächtige Hausportal mit dem vergoldeten „M“, das Hauszeichen der Familie Mühle. Durch dieses Portal gelangt man heute in die modernen Geschäftsräume des neuen Hauseigentümers, der kommunalen Wohnungsverwaltung und Bau GmbH Löbau, die sich im 1.OG befinden. Am Schlussstein des neu gefertigten Hausportal Innere Bautzner Straße 2 ist das Symbol des neuen Hausherren eingearbeitet worden.
 

- Entwurf und Ausführung der Bildtafeln: Achim Woschik – Bautzen
- Fotos: Architekturbüro Augustin - Löbau
- Texte: Achim Woschik + Architekturbüro Augustin